Vom Brottrunk zum Kreativbier

Biervielfalt Mesopotamien

Die frühesten Nachweise  für Bier gibt es aus dem Gebiet um Euphrat und Tigris (ca. 10000 v.Chr.). Stehengelassenes Brot sei damals zufällig vergoren sein und so entstand schon zu früher Zeit ein Brotgetränk, welches eine der einfachsten Arten der Bierherstellung ist. 

 

Schriftliche Darlegungen aus Mesopotamien aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. zeigen bereits Listen von mehr als 20 verschiedenen Bierarten, die beiden verbreitetsten Stärkeprodukte waren hierbei Emmer und Gerste. Hier ein paar Beispiele:

  • Dünnbier: ein wässriges Gerstenbier
  • Schwarzbier: ein preiswertes Gerstenbier mit kleiner Menge Emmer
  • Feines Schwarzbier: Maische aus 80 % geröstetem Emmerkorn und 20 % gekeimtem Emmerkorn
  • Feines Weißbier: Grundbestandteile Gerste und Emmer
  • Rotes Bier: 75 % Gemisch (Emmerbrot & geröstetes Emmerkorn) und 25 % gekeimtem Emmerkorn 
  • Prima Bier: dunkles Starkbier mit gleichen Anteilen aus Emmerkorn, Emmerbrot und Emmermalz
  • Lagerbier: Export nach Ägypten, Emmer und Gerste
  • Nachbier: Maischreste von Gerste- und Emmerbier mit Wasser 

 

Bier war auch schon damals ein Grundnahrungsmittel für alle Bevölkerungsschichten, zum Beipsiel für die Arbeiter für den Pyramidenbau, sie erhielten täglich zwei Krüge Bier, dazu drei bis vier Brote. Zusätzlich war die Hieroglyphe für Nahrung ein Zeichen für Brot und Bier. Öffentlich Angestellte wurde oftmals bezahlt mit Bier und den Toten wurde Bier mit ins Grab gegeben. 

In diesem Zeitalter entstand auch die erste Bierschankordnung der Welt mit folgenden Hauptpunkten:  

  • Die Wirtin, die sich ihr Bier nicht in Gerste, sondern in Silber bezahlen lässt, oder die minderwertiges Bier ausschenkt, wird ertränkt. 
  • Eine Priesterin, die ein Bierhaus aufsucht oder gar ein solches eröffnet, wird verbrannt. 
  • Die Wirtin, die in ihrer Gaststätte politische oder staatsgefährdende Diskussionen duldet, ohne die Gäste der Obrigkeit auszuliefern, wird getötet. 
  • Bierpanscher werden in ihren Fässern ertränkt oder so lange mit Bier vollgegossen, bis sie ersticken. 

Bier in Europa

Die ersten Brauer im europäischem Raum waren die Kelten, welche auch andere Zusatzstoffe dazu gaben, wie zum Beispiel Honig, um ein gehobenes Bier (Cervesia) für die Oberschicht herzustellen.

Um Geschmack und Haltbarkeit des Bieres zu verbessern, wurden mit der Zeit verschiedenste Zusatzstoffe wie Eichenrinde und Kräuter wie Myrte, Gageloder Johanniskräuter dem Bier zugesetzt. Um die Alkohol- oder Rauschwirkung zu erhöhen, wurden auch psychotrope Kräuter zugesetzt.

 

Die Verwendung von Hopfen könnte bereits in der Antike begonnen haben. In einer in einem Grab gefundenen Flasche aus dem 6. Jahrhundert n. Chr. konnten Reste von Hopfen nachgewiesen werden. 

 

Im Mittelalter wurden zum Brauen des Bieres alle vorhandenen Getreidearten verwendet und bis ins 16. Jahrhundert mit Gruit oder Grut gewürzt. Grut ist eine variable Kräutermischung, die damals als Gegenstück zum Hopfen diente.

Bier, das aus diesen regional unterschiedlichen Kräutermischungen hergestellt wurde, war trüb, süßlich, kohlensäurearm, nicht lange haltbar und wies vermutlich einen deutlich niedrigeren Alkoholgehalt als das heutige Bier auf.

Mit der Entdeckung von Hopfen wurden die Biere haltbarer und transportfähiger. Endgültig setzte sich gehopftes Bier erst im 16. Jahrhundert durch.

Die Hansestadt Hamburg war im Mittelalter eine der größten Braustätten. Hier produzierten 1376 ungefähr 500 Brauereien Bier.

Mengenangaben zum Bierkonsum sind problematisch, da sie regional und periodisch stark schwankten. In Köln, einer der wohlhabendsten Städte des Spätmittelalters, lag der Konsum in dieser Zeit etwa bei 175 bis 295 Liter pro Jahr und Kopf (Heutzutage deutschlandweit ca. 100 Liter).

 

Die Weiterentwicklung der Bierproduktion wurde im Mittelalter vor allem durch Klosterbrauereien voran getrieben. Nicht nur lag der Konsum der Mönche sehr hoch (zur Fastenzeit waren 5 Maß pro Tag erlaubt) sondern Kloster versorgten zusätzlich auch Pilger und entwickelten sich somit zu ersten Biergaststätten.

Heutzutage gibt es nur noch zwei Klosterbrauereien in Deutschland, das Kloster Andechs bei München und das Kloster Ettal. 

 

Biergesetze

1434 entstand ein erstes Biergesetz in Thüringen die „Statuta thaberna“ (Wirtshausgesetz), in der „mannigfaltige Gesetze“ über das „Benehmen in Wirtshäusern“ und das Brauen von Bier enthalten sind. Im Artikel 12 der „Statuta thaberna“ heißt es: „Zu dem Bier brauen soll man nicht mehr nehmen als soviel Malz, als man zu den drei Gebräuen von dreizehn Maltern an ein Viertel Gerstenmalz braucht… Es sollen auch nicht in das Bier weder Harz noch keinerlei andere Ungeferck. Dazu soll man nichts anderes geben als Hopfen, Malz und Wasser. Das verbietet man bei zwei Mark, und derjenige muss die Stadt für vier Wochen räumen.“

1516 wurde von den bayerischen Herzögen Wilhelm IV. und Ludwig X. eine neue Landesordnung erlassen. Darin wurden unter anderem die Inhaltsstoffe für Bier auf Gerste, Hopfen und Wasser festgelegt und die Preise für Bier reguliert. Seit den 1920er Jahren wird die entsprechende Textpassage dieser Landesordnung von der bayrischen Brauwirtschaft auch als „bayrisches Reinheitsgebot“ bezeichnet.

Diese Landesordnung wurde mehrfach gelockert, um das entstandene Einheitsbier wieder vielfältiger zu brauen. Zum Beispiel erlaubte man 1551 die Zugabe von Koriander sowie Lorbeer als weitere Zutaten und später auch Salz, Wacholder und Kümmel.

 

Industrialisierung der Bierbrauereien

Spätestens in der Mitte des 18. Jahrhunderts wurden regionale Besonderheiten von Biersorten innerhalb Deutschlands überregional wahrgenommen. Der Geograph Johann Gottfried Gregorii alias MELISSANTES publizierte 1744 in einer Berufsbeschreibung des Bierbrauers ein Verzeichnis mit 35 der damals bekanntesten deutschen Biersorten und deren landläufigen Bezeichnungen (z.B. Duckstein, Israel, Kastrum, Klapitt, Mumme, Schluntz, Gose oder Koite), Inhaltsstoffen, Geschmacksrichtungen und Wirkungen auf die Konsumenten.  

 

 

Aus dem Handwerk des Bierbrauens entwickelte sich zur Zeit der Industrialisierung die Getränkeindustrie. Carl von Linde entwickelte und baute die Kältemaschine anfangs hauptsächlich für Brauereien. Weiterhin wird Bier seit der Erfindung des Bierfilters im Jahre 1878 für gewöhnlich filtriert und teilweise auch pasteurisiert; dadurch und durch die moderne Abfülltechnik ist es mittlerweile wesentlich länger haltbar.

GeschichteBierÄgypterBierherstellung

Bierherstellung 1500 v.Chr.

GeschichteBierDeutschlandKlosterMönchBrauen

Bierbrauen in einem Kloster in Deutschland

KlosterbierKlosterbrauereiTrappisten

Trinkfreudige Mönche im Mittelalter


Tropfen aus der Biergeschichte

Das Gilgamesch-Epos (eine der ältesten überlieferten schriftlich Dichtungen von ca. 2000 v.Chr.)beschreibt unter anderem auch den Zusammenhang von Kultivierung und Bier zu jener Zeit. Dort wird einzottiger, beinahe tierhafter (Ur)Mensch beschrieben, der Gras frisst und wilde Tiere melkt. Er ist vonurtümlicher Stärke und will seine Kräfte mit Gilgamesch, dem halbgöttlichen Herrscher, messen. Das wilde Wesen heißt Enkidu, und der vorsichtige Gilgamesch schickt ihm erst einmal eine Dirne. Sie und die Hirten, bei denen sie sich aufhalten, bringen Enkidu nun "Lebensart" bei: "Nicht wusste Enkidu, was Brot war und wie man es zu essen pflegt. Auch Bier hat er noch nicht gelernt zu trinken. Da öffnete die Dirne ihren Mund und sprach zu Enkidu: "Iss nun das Brot, o Enkidu, denn das gehört zum Leben, trink auch vom Bier, wie es des Landes Brauch!"

Das erste Frachtgut auf einer deutschen Eisenbahn waren Bierfässer.

 

Der älteste Nachweis von Bier - bzw. des Brauens auf deutschem Boden - stammt aus der Zeit um 800 v. Chr. Es handelt sich um Bieramphoren der frühen Hallstattzeit, die 1935 in der Nähe von Kulmbach gefunden wurden.  

 

In der finnischen Volksdichtung Kalewala sind 200 Verse der Erschaffung der Welt gewidmet - 400 aber dem Bier!

 

Die Weihenstephaner Brauerei ist die älteste gewerbliche Brauerei der Welt, sie entstand durch das Benediktinerkloster Weihenstephan im Jahr 1040. 

 

Der sechszackige Stern (in Bild 2 zu sehen) ist wahrscheinlich eines der ersten Brausymbole der deutschen Brauer. Er beschreibt die Verbindung zu den Elementen, mit denen Bier (Erde: Gerste, Wasser: Brauwasser, Feuer: Darre/Sudhaus, Luft: Kohlensäure) hergestellt wird. Auf vielen alten Wirtshausschildern ist dieser Stern noch zu finden.

 

Bereits im 16. Jahrhundert veröffentlichte Dr. Knaust (Knaustium) mehrere wissenschaftliche Werke über die Braukunst.

Quellen: http://www.brauer-bund.de/bier-ist-rein/geschichte.html

  https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Bieres